Von Fehden und Feldern
Der Heinzenberg, das ist ein durch «seine Fruchtbarkeit und herrliche Ansicht und Aussichten berühmter Berg in Graubünden», vermerkt 1829 Enzyklopädie. Und berichtet wird da noch mehr: «Der französische Prinz Rohan, welcher während des dreissigjährigen Krieges mit eidgenössischer Hilfe die Österreicher aus Bündten vertrieb, nannte ihn den schönsten Berg der Welt.»
Diese Schönheit wollte Rohan verewigt wissen und liess den Berg «in einem Gemälde darstellen, welches nach Versailles kam». Doch blieb ihm die Schönheit ebenso wenig erhalten wie die Gunst der Bündner. Rohans Truppen wurden vertrieben, er selbst fiel am französischen Hof in Ungnade.
Der Dreissigjährige Krieg übrigens zeigte sich in Graubünden in Form der Bündner Wirren: Katholiken verbündeten sich im frühen 17. Jahrhundert mit der spanisch-habsburgischen Krone, die Protestanten hielten es mit deren französisch-venezianischen Widersachern. Im Domleschg erschien damals auch mehrmals Jörg Jenatsch, der umstrittene Bündner Freiheitsheld: Erst als Pfarrer in Scharans, dann auch als Oberst in französischen Diensten – und als Verräter an Rohan. Diesen spedierte er nämlich, um seine Heimat endlich ganz frei zu wissen, kurzerhand aus dem Land hinaus. Dafür paktierte er auch mit den einst so verhassten Spaniern, dafür trat er auch zum katholischen Glauben über.
Vom Heinzenberg aus sah man aber auch schon in früheren Jahrhunderten auf kriegsähnliche Wirren – so erschienen im Domleschg unten um 1450 etwa die Schamser Bauern und stürmten eine Burg nach der anderen, sie marschierten sogar bis nach Sargans, zum Stammsitz der Werdenberger: Dort legten sie ihren eigentlichen Herren nahe, ihre Burgen nie wieder aufzubauen. Nur das grosse Schloss Ortenstein im Domleschg durfte wieder hergerichtet werden.
Was war geschehen? Die Werdenberger hatten im Laufe des 14. Jahrhunderts durch Erb, Lehen und Pfand immer mehr Gebiete im heutigen Graubünden in ihren Herrschaftsbereich gebracht. Die Schamser und die Leute aus dem Hinterrheintal lehnten sich dagegen immer wieder auf, 1424 traten sie auch dem Grauen Bund bei, der als Schutzbündnis gegen Fehden und Zwistigkeiten gegründet wurde. Als die Leute aus den bedien Talschaften den Werdenbergern dann auch nicht den verlangten Huldigungseid ablegten, griffen diese zum letzten Mittel: Mit Unterstützung des Bischofs überfielen sie ihre eigenen Talschaften, um ihre Herrschaft wieder herzustellen. Die Schamser zogen darauf ihrerseits mit den Bundesgenossen los und brachen etwa die Cagliatscha und die Bärenburg im Schams und die Burgen Hochjuvalt, Neu- und Alt-Süns im Domleschg.
Noch mehr als die Zerstörung der Burgen veränderte freilich die grosse Rheinkorrektion das Domleschg: Zwischen 1832 und 1854 wurde der Rhein auf über zehn Kilometern vollkommen begradigt. So entstanden auch neue Felder, das Domleschg wurde landwirtschaftlich immer intensiver genutzt, die Äpfel sollen gar bis an den russischen Zarenhof exportiert worden sein.